ARBEITSKREIS MENSCHENRECHTE (AKM)
◆ Working Group for Human Rights ◆

BUCHVORSTELLUNG: Konrad Löw - Stolz, ein Deutscher zu sein?

Konrad Löw, inzwischen 94, emeritierter Professor für Politikwissenschaft und Kuratoriums-Mitglied der IGFM, war stets ein Streiter gegen die Political Correctness. Er wuchs auf in einem tiefgläubigen katholischen Elternhaus, das aus seiner Ablehnung der nationalsozialistischen Ideologie keinen Hehl machte, die päpstliche Enzyklika „Mit brennender Sorge“ verbreitete und dafür Benachteiligungen in Kauf zu nehmen hatte. Sein letzter großer Kampf gebührt der Generation seiner Eltern. Obwohl zum Beispiel der jüdische Flüchtling Leopold Schwarzschild (und nicht nur er) feststellte, „dass ein gewaltiger Unterschied zwischen den Nazis und der großen Mehrheit des deutschen Volkes besteht“, wird immer wieder das Gegenteil behauptet. Wenn in der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2021 die Hauptrednerin Charlotte Knobloch, führende Repräsentantin des Judentums in Deutschland, bekannte: „Ich stehe als stolze Deutsche vor Ihnen“, kann dies als Revision jener pauschalen Verurteilungen gewertet werden.

In seinem 104-seitigen Büchlein lässt er jüdische und nichtjüdische Zeitzeugen zu Worte kommen, die beschreiben, wie groß die Unterstützung von verfolgten und bedrohten Juden durch die Bevölkerung war. Es waren viele Hilfen im Alltag, die die Angehörigen der deutschen Mehrheitsbevölkerung selbst in Gefahr bringen konnten. Aus diesem eher passiven oder versteckten Widerstand zu schließen, dass die Masse mit den braunen Machthabern sympathisierte, ist - wie Löw belegt - ein Fehlschluss.

Bezeichnend ist, welche Reaktionen und Diffamierungen er dafür von den Vertretern des politischen Mainstreams erhalten hatte. „Da wird jemand von einem Blatt, das auf äußerste Seriosität bedacht ist, deshalb abgekanzelt, weil er es wagt, eine jüdische (!) Zeitzeugin (!), die vom Blatt selbst benannt worden war (!), zu zitieren (!)“, berichtet der Autor über seine Erfahrungen mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Das ist die Arroganz derjenigen, die selbst nie in einer Diktatur gelebt haben, aber genau wissen, wie sie gehandelt hätten.

Es würde hier den Rahmen sprengen, auf die vielen Auseinandersetzungen einzugehen. Festzuhalten ist aber, dass Konrad Löw sich hierbei in guter Gesellschaft befindet. Sein Freund Alfred Grosser (1925 - 2024), jüdischer französischer Publizist und Politikwissenschaftler deutsche Abstammung, ermutigte ihn dabei mit den Worten „Lasst uns trotzdem weiterkämpfen“.


Konrad Löw, Stolz, ein Deutscher zu sein? Das verräterische Schweigen der Widerkläger und die Zivilcourage. Mit einem Vorwort von Werner Münch (Ministerpräsident a.D.), Gerhard-Hess-Verlag, ISBN 978-3-87336-730-2, Preis: 16,80 €