ARBEITSKREIS MENSCHENRECHTE (AKM)
◆ Working Group for Human Rights ◆

IRAN: Zweiter Bahá'í Scheinhinrichtungen und Folter ausgesetzt

Quelle: Bahá’í-Gemeinde in Deutschland K.d.ö.R., www.menschenrechte.bahai.de

Der 29‑jährige Bahá’í Borna Naimi, Vater einer dreijährigen Tochter, wurde seit seiner Verhaftung in Kerman am 1. März 2026 mindestens zwei Scheinhinrichtungen, Elektroschocks mit schweren Verbrennungen an den Füßen sowie weiteren Foltermethoden ausgesetzt. Erst kürzlich wurde ein weiterer junger Bahá’í ähnlich misshandelt – ein alarmierendes Zeichen für eine Verschärfung der Verfolgung der größten nicht-muslimischen religiösen Minderheit des Landes.

In den ersten Tagen seiner Haft wurde Borna wiederholt geschlagen – in die Seiten, Rippen, unter die Brust und auf den Rücken. Er wurde mehrfach an Orte nahe seines Wohnortes gebracht, wo man ihn mit Drohungen gegen seine Frau und seine kleine Tochter unter Druck setzte, darunter die Ankündigung, das Kind in ein staatliches Waisenhaus zu bringen, falls er nicht kooperiere.

Die Folter war so schwerwiegend, dass Borna ein vorbereitetes falsches Geständnis unterschreiben musste, in dem er sich und seinen Cousin Peyvand Naimi der Tötung von Basij‑Sicherheitskräften am 8. Januar bezichtigte. Für diese Anschuldigungen gibt es keinerlei Beweise; zudem fanden die angeblichen Taten statt, als Peyvand bereits inhaftiert war und während Borna zu Hause bei seiner Familie war. Gegen keinen der beiden wurde ein Gerichtsverfahren geführt.

Während seiner ersten Hafttage wurde Borna in der sogenannten „Suite“ – der „Todes‑Suite“ – festgehalten, einem Trakt für Gefangene, die kurz vor der Hinrichtung stehen. Dort war er in einem etwa zwei mal zwei Meter großen Raum isoliert, ohne zwischen Tag und Nacht unterscheiden zu können. Zusätzlich wurde er weiter gefoltert, unter anderem mit Elektroschocks, die Verbrennungen an seinen Beinen verursachten.

Die Scheinhinrichtungen folgen demselben Muster wie im Fall von Peyvand, über den wir bereits berichtet haben: http://www.akm-online.info/24-03-2026-IRAN. Beide Fälle verstärken die Sorge über die eskalierende Verfolgung der Bahá’í, während die iranische Regierung versucht, ihnen die Schuld an der nationalen Krise zuzuschieben und sie als Sündenböcke für die Proteste vom Januar 2026 und den aktuellen Konflikt darzustellen.

Hintergrund

> Borna wurde an seinem Arbeitsplatz von sechs maskierten Beamten des Geheimdienstes des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) festgenommen. Er wurde mit Handschellen gefesselt und in eine Haftanstalt der IRGC gebracht – drei Tage lang erhielt seine Familie jedoch keinerlei Nachricht über seinen Verbleib oder seinen Gesundheitszustand. Danach fanden kurze Telefonate statt, die jedoch nach dem 8. März für eine weitere Woche unterbrochen wurden. Borna ist ein erfolgreicher Karate-Sportler, der sowohl bei nationalen als auch bei internationalen Wettkämpfen Goldmedaillen gewonnen hat.

> Peyvand wurde erstmals am 8. Januar festgenommen, gefoltert und musste zwei Scheinhängungen über sich ergehen lassen, nachdem er beschuldigt worden war, während der Proteste im Januar Unruhen angezettelt und Basij-Offiziere getötet zu haben. Nach seiner Festnahme am 1. März wurde Borna beschuldigt, Peyvand begleitet und an den mutmaßlichen Morden teilgenommen zu haben. Die Anschuldigungen sind absurd und falsch. Peyvands Festnahme am 8. Januar erfolgte vor dem mutmaßlichen Vorfall, und Borna befand sich zum Zeitpunkt der angeblichen Verbrechen zu Hause.

>>> Bitte helfen Sie mit, das Leben von Borna und Peyvand Naimi zu schützen, indem Sie das nachfolgende Schreiben kurzfristig an die genannten Stellen schicken.

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Oberste Justizautorität

Head of Judiciary

Gholamhossein Mohseni Ejei

c/o Embassy of Iran to the United Nations

Chemin du Petit-Saconnex 28

1209 Geneva
 / SCHWEIZ

E-Mail: iran.unog@mfa.gov.ir



Sehr geehrter Herr Ejei,

erlauben Sie mir, Ihre Aufmerksamkeit auf Herrn Borna Naimi zu lenken, einem jungen inhaftierten Angehörigen der Bahá’í-Religion. Der Vater einer dreijährigen Tochter befindet sich nach zwei Scheinhinrichtungen, schwerer Folter und anhaltenden Verhören in akuter Lebensgefahr. Die Behörden Ihres Landes versuchen, ihn zu einem Geständnis für Verbrechen zu zwingen, die er nicht begangen hat.

Die Behörden beschuldigen Borna und seinen Cousin Peyvand,  am Tod von drei Basij-Sicherheitskräften beteiligt gewesen zu sein – obwohl Peyvand zu diesem Zeitpunkt bereits in Haft und Borna bei sich zu Hause war. Bornas Gesundheitszustand ist infolge der Folterungen und Misshandlungen sehr schlecht.

Ich appelliere an Sie, sich für ein Ende der Bahá’í-Verfolgung sowie für die unverzügliche Freilassung von Herrn Borna Naimi und seines Cousins Peyvand Naimi einzusetzen.

Hochachtungsvoll


KOPIEN:

>>> Botschaft der Islamischen Republik Iran, Podbielskiallee 65-47, D-14195 Berlin, E-Mail: info@iranbotschaft.de

>>> Auswärtiges Amt, Werderscher Markt 1, D-10117 Berlin, E-Mail: buergerservice@diplo.de

>>> Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Dr. Lars Castellucci, E-Mail: menschenrechtsbeauftragter@diplo.de

>>> Deutscher Bundestag, Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Platz der Republik 1, D-11011 Berlin, E-Mail: menschenrechtsausschuss@bundestag.de